Traditionelle innerstädtische Zentren und Stadtteilzentren haben wichtige und
vielfältige Funktionen für den Stadtraum und die in ihm lebenden Menschen.
Neben der Schaffung gesellschaftlicher Identifikation, der Bereitstellung einer
Plattform für Öffentlichkeit und gesellschaftliche Auseinandersetzung sowie sozialer
Vielfalt sind Zentren vor allem auch seit jeher Orte des Marktgeschehens,
des Handels. Viele Städte verdanken ihre Gründung überhaupt erst der Handelsfunktion
ihrer mittelalterlichen Marktplätze.
Seit den 1960er Jahren sind Entwicklungen erkennbar, welche zu einem Funktionsverlust
der gewachsenen Zentren führen und heute im Allgemeinen unter
der Bezeichnung „Strukturwandel im Einzelhandel“ zusammengefasst werden.
Diese Entwicklungen finden sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite
des Einzelhandels statt und sind durch komplexe Ursache-Wirkungs-
Zusammenhänge gekennzeichnet.
Zu den bedeutendsten Veränderungen auf der Angebotsseite zählt die Expansion
der Verkaufsflächen, deren Ursache vor allem der Ersatz von Personal
durch Verkaufsfläche ist und die in engem Zusammenhang mit der Entstehung
neuer, meist großflächiger Betriebsformen an dezentralen Standorten steht.
Auf der Nachfrageseite ist die wichtigste Entwicklung in den Suburbanisierungsprozessen
zu sehen, die zusammen mit der steigenden Mobilität der Konsumenten
ein Abwandern des Handels aus den Zentren überhaupt ermöglichte.
Die genannten Entwicklungen führen zu einer Schwächung der gewachsenen
städtischen Zentren, die hinsichtlich des verfügbaren Platzes, der niedrigen Bodenpreise
und der Parkmöglichkeiten mit peripheren Randlagen nicht mithalten
können. Neue Angebote bleiben aus und Kunden wandern ab, was Umsatzrückgänge
nach sich zieht. Diese wiederum bewirken, dass neue Investitionen
gescheut werden, was den gesamten Standort unattraktiv macht und die Prozesse
weiter verstärkt, sodass der Standort in eine Abwärtsspirale gerät.
Es haben sich in Ergänzung zu formellen, d.h. auf einer gesetzlichen Grundlage
beruhenden, Instrumenten verschiedene Handlungsansätze herausgebildet, die
sich zum Ziel gesetzt haben, dem Verfall innerstädtischer Geschäftslagen entgegenzuwirken.
Typische Handlungsformen sind z.B. Stadtmarketing, Center-
Management sowie Quartiers- und Geschäftsstraßenmanagement. Jedoch sind
diesen Instrumenten klare Grenzen gesetzt, die sich vor allem aus der freiwilligen Teilnahme der Akteure, der damit verbundenen geringen Finanzkraft sowie
einem oftmals geringen Organisationsgrad ergeben.
Eine Antwort auf die Problematik geben Business Improvement Districts (BIDs),
die genau an den Schwachstellen anderer Instrumente ansetzen. Laut WIEZOREK
sind „harte“ Erfolgsfaktoren von BIDs „ein ausformuliertes Arbeitsprogramm
mit klarer Schwerpunktsetzung und die gesetzlich abgesicherte Finanzierung
der Initiative mit ihren Projekten. Zu den wesentlichen ‚weichen’ Erfolgsfaktoren
zählen […] [der] Aufbau funktionierender Kommunikationsstrukturen,
[die] strategische Besetzung der Schlüsselposition des Managements sowie
neben dem professionellen Management eine individuelle Übernahme von Verantwortung
durch lokale Akteure.“
Auch im Untersuchungsgebiet der vorliegenden Arbeit, im Lüner Stadtteil
Brambauer, sind die oben genannten Einzelhandelsentwicklungen sichtbar und
auch hier stoßen lokale Interessengemeinschaften an ihre Grenzen. Aus diesem
Grunde engagiert sich die Werbegemeinschaft vor Ort, die Brami Gemeinschaft,
für die Gründung einer Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG),
welche die nordrhein-westfälische BID-Variante ist, was als Anlass für diese
Arbeit gelten kann.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ein Maßnahmenkonzept für eine zu gründende
ISG zu erarbeiten sowie einige Handlungsempfehlungen für deren Umsetzung
zu geben. Es handelt sich um Vorschläge, die als Diskussionsgrundlage
in einen Gründungsprozess einfließen können und die sich an die Schlüsselakteure
einer ISG-Gründung richten. Namentlich sind dies vor allem die Mitglieder
der Brami Gemeinschaft sowie Vertreter der Stadt Lünen, aber auch die
für Brambauer zuständige IHK, das Wirtschaftsförderungszentrum Lünen sowie
interessierte Bewohner und Geschäftsbetreiber in Brambauer.
Zum Erstellen dieser Arbeit wurde zunächst eine gründliche Literaturrecherche
zum Thema BIDs und ISGs durchgeführt. Um einen möglichst aktuellen Kenntnisstand
zu erreichen, wurden stellenweise auch Internetquellen hinzugezogen.
Nachdem wesentliche Punkte des Themenbereichs bekannt waren und eine
Gliederung der Arbeit erstellt werden konnte, erfolgten Ortsbegehungen und
Experteninterviews, bei denen zum einen Bezug auf die lokalen Gegebenheiten
in Lünen-Brambauer genommen und zum anderen noch offene Fragen geklärt
werden konnten. Um weitere aktuelle Informationen über den Stand der Umsetzung
von BIDs in Deutschland und vor allem zum geplanten Gesetz in NRW zu
erhalten, erfolgte die Teilnahme der Verfasserinnen an einem Vortrag des
Deutschen Verbandes für Angewandte Geographie (DVAG) Forum Ruhrgebiet
sowie einer gemeinsamen Veranstaltung des Regionalverbandes Ruhrgebiet
(RVR), der Universität Dortmund und des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung
und Bauwesen des Landes NRW (ILS) zum Thema BIDs
und ISGs.
Die Arbeit beginnt mit einem einleitenden Kapitel, an welches sich
eine Vorstellung der Instrumente BID und ISG sowie eine Beschreibung
des Untersuchungsraums Lünen-Brambauer anschließen. Im
darauf folgenden Teil wird auf Grundlage einer Stärken-Schwächen-
Analyse, der Erarbeitung eines Leitbildes und eines Zielkataloges ein Maßnahmenkonzept
für eine ISG entwickelt, gefolgt von Handlungsempfehlungen zur
Implementierung. Die Arbeit schließt mit einem Fazit und Ausblick
ab.
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Stadt und Bramis warten auf ISG-Gesetz Für die Stadt Lünen und die Bramis wäre dies das Startsignal, ihre Bestrebungen zur Gründung einer solchen Gemeinschaft voranzutreiben. Dann allerdings wird es erst einmal kompliziert. Immobilien- und Standortgemeinschaften (kurz: ISG) sollen in begrenzten Bereichen das Umfeld attraktiver machen - und auf diesem Weg auch die Wirtschaft ankurbeln. Dazu werden in einer ISG gemeinsame Entwicklungs- und Planungsmaßnahmen entwickelt und koordiniert - von der Aufwertung einzelner Immobilien bis zur Gestaltung ganzer Straßenzüge. Aber... |